Das schwierigste Thema des Albums. Wo war Gott in dem Moment, als der Schmerz kam? Warum hat er geschwiegen?
Jesaja 45,15: „Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland." Im hebräischen Original: aken atah el mistater (אָכֵן אַתָּה אֵל מִסְתַּתֵּר) — „fürwahr, du bist ein sich-verbergender Gott". Das ist nicht nur Stilfigur. Es ist Aussage über Gottes Wesen: er verbirgt sich manchmal. Bewusst.
Warum? Antwort gibt es im Buch Hiob, das fast vollständig aus Gottes Schweigen besteht. Hiob klagt 37 Kapitel lang. Gott antwortet in Kapitel 38 — aber nicht mit Erklärungen, sondern mit Gegenfragen. „Wo warst du, als ich die Erde gründete?" (Hiob 38,4). Gott rechtfertigt sich nicht. Er offenbart sich als der unendlich Größere.
Mike's Track stellt die Frage, die viele Christen tief innen drinnen tragen, aber nicht stellen dürfen: Wo warst du, Gott? Es wird oft so getan, als ob diese Frage Unglaube wäre. Aber sie ist die ehrlichste Glaubens-Frage überhaupt. Sie setzt voraus, dass es einen Gott gibt, der hätte da sein können. Sie setzt voraus, dass er angerufen werden kann.
Yeshuas eigene letzte Worte enthielten diese Frage (Mt 27,46): „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Wer diese Frage in Krisen stellt, befindet sich in bester Gesellschaft — er steht mit dem Sohn Gottes selbst. Das ist nicht Unglaube. Das ist Glaube in seiner radikalsten Form.
Mike's Track gibt keine schnelle Antwort. Er hält den Schmerz aus. Das ist seine Größe. Er sagt nicht „Gott hat einen Plan" (eine billige Floskel). Er sagt nicht „Du musst nur mehr glauben" (eine Beschuldigung). Er weint mit. Römer 12,15: „Weint mit den Weinenden." Mike's Track weint mit. Manchmal ist das die einzig richtige Theologie.
