Reden in Sprachen. Missverstanden, überhöht oder gottgewirkt.

Kaum ein Thema wird so schnell mystifiziert wie das Reden in neuen Zungen. Manche behandeln es wie den höchsten Beweis des Geistes. Andere lehnen es als charismatisch ab. Entscheidend ist eine Frage: Was sagt die Bibel. Und wozu wurde es gegeben.

Wir suchen keine Extreme. Wir übernehmen keine konfessionellen Deutungen. Wir fragen: Was steht geschrieben. Und was ist der Zweck.

Erstens. Was meint die Bibel mit neuen Zungen.

Diese Zeichen werden die begleiten, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Zungen reden. Markus, Kapitel sechzehn, Vers siebzehn.

Das griechische Wort lautet glossais kainais. Das bedeutet: neue, ungewohnte Sprachen. Also Sprachen, die man nicht gelernt hat. Es geht um ein Zeichen. Es geht um ein Werkzeug. Es geht um Kommunikation, die Gott möglich macht.

In der Bibel entsteht das nicht als Programm. Es wird nicht angekündigt, nicht geplant, nicht produziert. Es kommt, wenn es dient.

Zweitens. Apostelgeschichte zwei. Pfingsten als erster klarer Fall.

Und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Apostelgeschichte, Kapitel zwei, Vers vier.

Wichtig ist: Andere Sprachen heißt glossais heterais. Und die Menschen hörten ihre eigene Muttersprache. Apostelgeschichte, Kapitel zwei, Verse sechs bis elf.

Sie sagten: Wie hören wir sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

Das war ein Sprachwunder zur Verkündigung. Verständlich für die Hörer. Ein Werkzeug für Evangelisation.

Drittens. Der erste Korintherbrief. Zucht für ein missbrauchtes Geschenk.

In Korinth gab es Begeisterung, aber wenig Ordnung. Paulus greift ein und setzt klare Leitplanken.

Wenn jemand in einer Sprache redet, sollen es zwei oder höchstens drei tun. Einer nach dem anderen. Und einer soll auslegen. Erster Korinther, Kapitel vierzehn, Vers siebenundzwanzig.

Paulus sagt auch: Wenn niemand auslegt, soll derjenige schweigen. Vers achtundzwanzig.

Und er ordnet ein: Wer in einer Sprache redet, redet zu Gott. Für die Gemeinde wird es erst dann nützlich, wenn es ausgelegt wird. Deshalb sagt Paulus: Fünf verständliche Worte sind mehr wert als tausend Worte, die niemand versteht. Vers neunzehn.

Damit ist der Platz klar. Diese Gabe gehört in Ordnung. Sie gehört nicht in Selbstdarstellung. Sie gehört nicht in Spektakel.

Viertens. Ist Sprachenrede ein Zeichen echter Bekehrung.

Reden alle in Sprachen. Haben alle Gnadengaben. Erster Korinther, Kapitel zwölf, Vers dreißig.

Die Antwort ist: Nein. Der Heilige Geist teilt aus, wie er will. Erster Korinther, Kapitel zwölf, Vers elf.

Die Bibel kennt kein Beweiszeichen, das jeder haben muss. Es gibt klare Beispiele, wo Menschen glauben und getauft werden, ohne dass Sprachenrede erwähnt wird. Zum Beispiel der äthiopische Kämmerer in Apostelgeschichte, Kapitel acht. Und auch bei den dreitausend an Pfingsten wird das nicht für jeden Einzelnen beschrieben.

Der Maßstab in der Schrift ist Frucht. Ein verändertes Leben. Eine neue Ausrichtung. Treue zu Christus.

Fünftens. Geistestaufe und Zungenrede. Gehört das zusammen.

Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft worden. Erster Korinther, Kapitel zwölf, Vers dreizehn.

Geistestaufe meint Wiedergeburt. Der Heilige Geist nimmt Wohnung. Das gilt für jeden, der zu Christus gehört. Sprachenrede ist eine mögliche Gabe. Sie ist nicht die Eintrittskarte.

Gott wirkt vielfältig. Und er widerspricht seiner Ordnung nicht.

Sechstens. Was ist biblisch.

Die Gabe der Sprachen existiert. Sie ist eine von vielen. Sie dient der Erbauung. Sie braucht Auslegung, wenn sie in der Gemeinde gesprochen wird. Sie ist kein Beweis für Errettung. Sie ist nicht zwingend. Sie ist auch nicht verboten.

Siebtens. Fazit. Was meint Reden in neuen Zungen.

Gemeint sind echte, vom Geist gewirkte Sprachen. Sie werden zu einem klaren Zweck gegeben. Sie bauen auf, wenn sie verstanden oder ausgelegt werden. Sie werden nicht erzwungen und nicht künstlich erzeugt.

Darum gilt: Prüft alles. Das Gute behaltet. Und behaltet Ordnung.

Gott ist kein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. Erster Korinther, Kapitel vierzehn, Vers dreiunddreißig.

Achtens. Von Babel zu Pfingsten. Warum überhaupt neue Sprachen.

Um Pfingsten zu verstehen, hilft der Blick nach Babel.

Der Herr sprach: Siehe, sie sind ein Volk und haben alle eine Sprache. Wohlan, lasst uns hinabfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe. Erster Mose, Kapitel elf, Verse sechs bis sieben.

Damals gab es eine gemeinsame Sprache. Der Zweck wurde gegen Gott gerichtet. Stolz und Selbstvergöttlichung standen im Zentrum. Gott verwirrte die Sprachen. Die Menschen wurden zerstreut. Sprache wurde zum Zeichen der Trennung.

An Pfingsten dreht Gott das um.

Wie hören wir sie in unserer eigenen Sprache von den großen Taten Gottes reden. Apostelgeschichte, Kapitel zwei, Vers elf.

Sprache wird zum Werkzeug der Verständigung. Nicht durch menschliche Einheitspläne, sondern durch den Heiligen Geist.

Und die Flammen über den Köpfen sind ein Zeichen für Gottes Gegenwart bei jedem Einzelnen. Nicht mehr am Berg. Nicht mehr im Tempel. In Menschen.

Die Sprachen sind dann Ausdruck geheilter Kommunikation. Verständlich, zielgerichtet, vom Geist initiiert. Ein Zeichen, dass Gott alle Völker ruft, in ihrer Vielfalt, in einem Geist.

Babel trennte. Pfingsten verbindet. Durch den Geist. Durch Wahrheit. Durch Christus.